Welche Impfungen kann man beim Hausarzt machen?

Dr. med. Kathrin Hamann · Ärztinnenprofil · · 6 Min

Kurzantwort

Nahezu alle von der STIKO empfohlenen Impfungen gehören in die Hausarztpraxis – nur eine ist gesetzlich ausgeschlossen. Diese Übersicht zeigt, was Sie dort bekommen, was bestellt werden muss und was die Kasse zahlt.

Die kurze Antwort

Nahezu alles, was die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, können Sie in der Hausarztpraxis bekommen. Nahezu jede niedergelassene Praxis der hausärztlichen Versorgung bietet die STIKO-Impfungen an, und rund 85 bis 90 Prozent aller Impfungen in Deutschland werden von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten durchgeführt 9. Seit dem Masernschutzgesetz dürfen ohnehin alle Ärztinnen und Ärzte – mit Ausnahme der Zahnärztinnen und Zahnärzte – jede Impfung durchführen 10.

Die eine klare Ausnahme ist die Gelbfieberimpfung: Sie darf nur in staatlich zugelassenen Gelbfieberimpfstellen geimpft werden 4. Alles andere ist eine Frage von Vorlauf, Vorhaltung und Kostenübernahme.

Was Sie in der Hausarztpraxis bekommen können

Grundlage ist der Impfkalender 2026 der STIKO, veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin 4/2026 12.

Für wenEmpfohlene ImpfungenRhythmus
Erwachsene allgemeinTetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis); Polio als AuffrischungAuffrischung alle 10 Jahre, Keuchhusten mindestens einmal im Erwachsenenalter
Ab 60 JahrePneumokokken, Gürtelrose (Herpes zoster, zwei Dosen), Grippe und COVID-19, RSVPneumokokken einmalig, ggf. Wiederholung; Grippe und COVID-19 jährlich
Personen ab 75 sowie 60–74 mit relevanter Grunderkrankung oder in PflegeeinrichtungenRSV-Impfungeinmalig; seit 2026 auch mit einem mRNA-Impfstoff möglich 3
Kinder und JugendlicheGrundimmunisierungen beim Kinder- und Jugendarzt; HPV und Meningokokken ACWYHPV im Alter von 9 bis 14 Jahren, zwei Dosen
SchwangereKeuchhusten, GrippeKeuchhusten in jeder Schwangerschaft
Chronisch Kranke, Immungeschwächte, Diabetes, Lungen- oder HerzerkranktePneumokokken, Grippe, COVID-19, ggf. weiterenach ärztlicher Indikation
Beschäftigte im Gesundheitsdienst, in Laboren, in Forst- und LandwirtschaftHepatitis B, ggf. FSME, Tollwut (beruflich Exponierte)nach Tätigkeitsrisiko
Personen in FSME-Risikogebieten oder mit ZeckenexpositionFSMEGrundimmunisierung mit drei Dosen, Auffrischung nach Alter
Alle mit ImpflückenNachholimpfungen, auch Masern nach Masernschutzgesetzjederzeit möglich

Die FSME-Impfung empfiehlt die STIKO ausdrücklich für Personen, die in Risikogebieten gegenüber Zecken exponiert sind, für beruflich Gefährdete – etwa in Forstwirtschaft, Landwirtschaft oder im Labor – und für Reisen mit möglicher Zeckenexposition in Risikogebiete 6. Für uns in der Region München ist das keine Theorie, sondern eine Jahreszeitenfrage.

Wo die Grenzen liegen

ImpfungWarum nicht einfach in der PraxisWo Sie sie bekommen
GelbfieberDarf nur in staatlich zugelassenen Gelbfieberimpfstellen geimpft werden; Eintrag im gelben internationalen Impfausweis mit Unterschrift und amtlichem Siegel 4Gelbfieberimpfstelle, Übersicht nach Bundesländern beim Deutschen Grünen Kreuz 5
Tollwut, Japanische Enzephalitis, Typhus, CholeraSonderimpfstoffe, die nicht jede Praxis vorrätig hatHausarztpraxis mit Vorlauf oder reisemedizinisch weitergebildete Praxis 11
Grundimmunisierung beim SäuglingZeitplan und Kontrolle gehören in die kinderärztliche BetreuungKinder- und Jugendarzt
Betriebliche ImpfungenOrganisiert der ArbeitgeberBetriebsärztin oder Betriebsarzt

Ein Reiseimpftermin ist übrigens der beste Anlass, gleich den gesamten Impfstatus prüfen zu lassen – die Reiseimpfberatung ist laut STIKO die optimale Gelegenheit, Impflücken auch bei den Standardimpfungen zu schließen 12.

Wer impft sonst noch?

  • Kinder- und Jugendarztpraxen für die Grundimmunisierungen; Eltern können dort bei der Gelegenheit auch ihre eigenen Impflücken klären.
  • Frauenarztpraxen für HPV und für Keuchhusten sowie Grippe in der Schwangerschaft.
  • Gesundheitsämter – bundesweit erfolgen dort etwa zehn bis 15 Prozent der Impfungen 9.
  • Betriebsärztinnen und Betriebsärzte für betrieblich veranlasste Impfungen.
  • Apotheken für die Grippeimpfung bei Personen ab 18 Jahren und ohne Lebendimpfstoffe 13. Welche Grenzen die Apothekenimpfung hat, erklärt Warum ist eine Impfung beim Hausarzt besser als bei der Apotheke?.

Was die Kasse zahlt

  • Gesetzlich Versicherte: Der Gemeinsame Bundesausschuss legt in der Schutzimpfungs-Richtlinie fest, welche Impfungen Pflichtleistung sind – Grundlage sind die STIKO-Empfehlungen, und der G-BA muss darüber innerhalb von zwei Monaten nach einer neuen Empfehlung entscheiden 7. Standardimpfungen, Indikationsimpfungen und das Nachholen von Impflücken werden von der Kasse bezahlt.
  • Reiseimpfungen: Nur wenn der Auslandsaufenthalt beruflich oder durch eine Ausbildung bedingt ist – oder wenn ein besonderes öffentliches Interesse besteht, wie bei der Polio-Impfung 8. Für private Urlaubsreisen hängt es davon ab, ob Ihre Kasse eine Satzungsleistung anbietet.
  • Privat Versicherte: Die Kostenübernahme regeln die jeweiligen Vertragsbedingungen 14.
  • Selbstzahler: Fragen Sie vor der Impfung nach dem Preis für Impfstoff und ärztliche Leistung – beides wird getrennt berechnet.

So bereiten Sie den Termin vor

  1. Impfpass mitbringen – auch der alte. Nur so lässt sich sehen, was fehlt und was aufgefrischt werden muss.
  2. Mehrere Impfungen an einem Termin sind in der Regel möglich und sinnvoll; Abstände klärt die Praxis.
  3. Für Reisen vier bis sechs Wochen Vorlauf einplanen, weil manche Impfungen mehrere Dosen brauchen und Sonderimpfstoffe bestellt werden.
  4. Medikamente, Allergien, Vorerkrankungen und frühere Impfreaktionen ansprechen – das entscheidet über den passenden Impfstoff.
  5. Vorab klären, was Sie brauchen. In unserem Portal finden Sie unter Vorsorge eine geordnete Impf-Übersicht mit Impfstatus-Check, und eine Online-Beratung kann Fragen vor dem Termin klären. Geimpft wird dann vor Ort.

Häufige Fragen

Bekomme ich jede Impfung sofort?

Die gängigen STIKO-Impfungen sind vorrätig. Sonderimpfstoffe – etwa Tollwut oder Japanische Enzephalitis – werden bestellt, und Gelbfieber ist ohnehin einer zugelassenen Impfstelle vorbehalten. Planen Sie bei speziellen Wünschen einige Tage ein.

Kann ich mich an einem Termin gegen mehrere Krankheiten impfen lassen?

Ja. Mehrere Impfungen gleichzeitig sind üblich und verkürzen den Weg zum vollständigen Schutz. Welche Kombination für Sie passt, hängt von Alter, Erkrankungen und zeitlichem Abstand ab.

Kann ich mich trotz einer Erkältung impfen lassen?

Eine leichte Erkältung ohne Fieber ist meist kein Hindernis, eine akute fieberhafte Erkrankung dagegen schon – die Impfung wird dann nachgeholt. Die vollständigen Voraussetzungen erklärt Wer darf sich beim Arzt impfen lassen?.

Zahlt meine Kasse auch die Reiseimpfung?

Bei beruflichen oder Ausbildungs-Reisen ja, bei privaten Urlaubsreisen nur über eine freiwillige Satzungsleistung Ihrer Kasse – mit einer Ausnahme: Die Polio-Impfung wird wegen des Interesses der öffentlichen Gesundheit auch bei Privatreisen übernommen 8.

Woher weiß ich, welche Impfungen mir fehlen?

Lassen Sie den Impfpass durchsehen – jeder Arztbesuch ist dafür eine Gelegenheit 10. Im Portal gibt Ihnen die Vorsorge-Übersicht eine strukturierte Orientierung, und Kann ich mich beim Hausarzt impfen lassen? erklärt Ablauf, Impfpass und Kosten im Einzelnen.

Fazit: Die Hausarztpraxis ist der Standardort fürs Impfen – sie deckt den Impfkalender, die Auffrischungen, die Indikationsimpfungen für Vorerkrankte und die meisten Reiseimpfungen ab. Ausgeschlossen ist per Gesetz nur die Gelbfieberimpfung, und Sonderimpfstoffe brauchen Vorlauf. Bringen Sie Ihren Impfpass mit, klären Sie Ihre Vorerkrankungen und fragen Sie nach dem Preis, wenn Ihre Kasse nicht zahlt. Dann ist ein einziger Termin oft genug, um den Impfschutz wieder vollständig zu machen.

Dieser Beitrag dient Ihrer Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.

Quellen

Redaktionell geprüft am 19. Oktober 2026.