Was hilft bei Kreislaufproblemen? Sofortmaßnahmen und Alltagstipps

Dr. med. Kathrin Hamann · · 5 Min

Die kurze Antwort

Bei akutem Kreislaufschwäche helfen drei Schritte: hinsetzen oder hinlegen, Beine hochlegen und trinken. So erreichen Sie, dass das Blut wieder besser zum Kopf fließt. Langfristig helfen vor allem ausreichendes Trinken, regelmäßige Bewegung, Wechselduschen, langsames Aufstehen und Hitze meiden – bei anhaltendem niedrigem Blutdruck sind einfache Maßnahmen in den meisten Fällen wirksamer als Medikamente. Voraussetzung: eine Ärztin oder ein Arzt hat gefährliche Ursachen ausgeschlossen.

Sofort helfen, wenn der Kreislauf kippt

Wenn Sie Schwindel, Schwarzwerden vor Augen oder Herzrasen bemerken:

  1. Setzen oder legen Sie sich sofort hin – Sicherheit geht vor, stürzen Sie nicht auf die Suche nach einem Trinkglas.
  2. Legen Sie die Beine hoch, am besten auf ein Kissen oder eine Stufe. Das schiebt Blut zurück Richtung Herz und Kopf.
  3. Trinken Sie, sobald es wieder geht – Wasser oder Saftschorle, langsam und in Schlucken.
  4. Atmen Sie ruhig weiter – schnelles, tiefes Atmen macht manche Beschwerden schlimmer.

Kommen Sie nach einer kurzzeitigen Ohnmacht wieder zu sich, lassen Sie die Ursache ärztlich abklären – neben harmlosen gibt es auch ernste Gründe dafür. Eine Ohnmacht ohne Warnung, während einer körperlichen Anstrengung oder im Liegen gehört gleich untersucht.

Was langfristig hilft

Diese Maßnahmen wirken am besten, wenn Sie sie täglich machen – nicht nur bei Beschwerden:

MaßnahmeSo geht sie richtig
Ausreichend trinkenetwa 1,5 bis 2 Liter täglich, mehr bei Hitze, Fieber oder beim Sport
Regelmäßige Bewegungtägliches Gehen, Radfahren oder Schwimmen – Ausdauer trainiert die Gefäße besser als Krafttraining allein
Kneipp / Wechselduschenam Ende der Dusche kalt, von den Füßen aufwärts; morgens aktivierender als abends
Langsam aufstehenerst am Bettrand sitzen, Füße bewegen, dann aufstehen – gerade am Morgen und bei Medikamenteneinnahme
Hitze meidenlange Sonnenbäder, heiße Vollbäder und stickige Räume vermeiden; bei Hitze tagsüber Trinkpausen einplanen
Regelmäßige Mahlzeitengroße, schwere Mahlzeiten lenken das Blut in den Bauch; lieber mehrere kleinere Portionen
Kompressionsstrümpfekönnen bei Blutdruckabfall beim Aufstehen helfen; Passform ärztlich klären

Zu Medikamenten, die den Kreislauf anheben: Sie werden nur selten benötigt und nur nach ärztlicher Prüfung verordnet – keinesfalls auf eigene Faust. Auch eine gesteigerte Salzzufuhr hilft nicht allen und sollte nur nach ärztlicher Abklärung erfolgen, zum Beispiel bei Medikamenten für Herz, Blutdruck oder Nieren nicht ungeprüft.

Welche Ursachen stecken dahinter

Kreislaufprobleme entstehen meist, wenn das Gehirn kurzzeitig zu wenig Blut bekommt. Typische Auslöser:

  • Niedriger Blutdruck, oft Veranlagung, besonders bei jungen schlanken Frauen, meist harmlos, aber belastend;
  • Flüssigkeitsmangel durch zu wenig Trinken, Schwitzen, Fieber oder Durchfall;
  • Langsames Stehen, gerade in Hitze oder in engen, warmen Räumen;
  • Blutdruckabfall beim Aufstehen, häufiger bei älteren Menschen und als Nebenwirkung von Medikamenten;
  • Erkrankungen, etwa des Herzens, der Schilddrüse oder der Nebennieren, ebenso Blutarmut;
  • Stress, Schmerzen und Schlafmangel, die das Kreislaufsystem aus dem Gleichgewicht bringen.

Gerade der Aufsteh-Schwindel lässt sich mit dem langsamen Aufstehen oft deutlich bessern. Wenn Ihre Kreislaufbeschwerden im Zusammenhang mit einem Infekt auftreten, lesen Sie den Beitrag Kreislaufprobleme bei Erkältung.

Wann zum Arzt?

Wählen Sie 112, wenn Sie Brustschmerz, Atemnot, einseitige Lähmung, Sprachstörung oder Bewusstlosigkeit haben – das sind Notfallzeichen.

Lassen Sie Ihre Kreislaufprobleme untersuchen, wenn:

  • sie wiederholt auftreten oder Sie bereits ohnmächtig geworden sind;
  • Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag dazukommen;
  • sie unter Medikamenten zum ersten Mal auftreten;
  • sie sich trotz Trinken, Bewegung und den Alltagstipps nicht bessern;
  • Ihre körperliche Verfassung sich insgesamt verschlechtert oder Sie unsicher beim Gehen sind.

Bei leichteren, wiederkehrenden Beschwerden reicht zunächst ein Termin in der Praxis: Blutdruck, Puls, EKG und Blutwerte zeigen meist schnell, ob eine Erkrankung dahintersteckt oder ob es die harmlose, aber unangenehme Veranlagungsform ist. Wenn Sie Beschwerden oder Ihre Messwerte im Blick behalten möchten, nutzen Sie unsere Blutdruckprotokoll-Vorlage und bringen das Protokoll zum Termin mit. Wie lange Schwindel nach einer Kreislaufschwäche dauern kann, lesen Sie in Wie lange ist man krank mit Schwindel?

Bei leichteren, nicht akuten Beschwerden können Sie eine Online-Beratung anfragen.

Häufige Fragen

Was hilft sofort bei Kreislaufproblemen?

Hinsetzen oder hinlegen, Beine hoch und, sobald möglich, trinken. Wer ohnmachtsnah ist, sollte sich auf den Boden setzen, um sich nicht zu verletzen – erst wieder langsam aufstehen, wenn das Schwarzwerden vor Augen verschwunden ist.

Was kann ich täglich für meinen Kreislauf tun?

Am wirksamsten sind ausreichendes Trinken, tägliche Bewegung, Wechselduschen und langsames Aufstehen. Hitze, langes Stehen und schwere Mahlzeiten meiden. Diese Maßnahmen kosten nichts und wirken nachweislich besser als jedes Hausmittel einzeln.

Sind Kreislaufprobleme gefährlich?

Ein veranlagter niedriger Blutdruck ist für das Herz meist unbedenklich, auch wenn er sich belastend anfühlt. Gefährlich werden Beschwerden vor allem durch Stürze oder wenn eine ernste Ursache dahintersteckt – deshalb sollten wiederholte Schwindelattacken oder Ohnmachten ärztlich abgeklärt werden.

Kann ich bei Kreislaufproblemen Sport machen?

Ja – moderater Ausdauersport ist eine der wirksamsten Maßnahmen überhaupt. Wählen Sie ein niedriges Tempo, trinken Sie vorher und danach und starten Sie langsam. Sport in der Hitze oder kurz nach einer Ohnmacht vermeiden Sie besser.

Wie lange dauert es, bis die Maßnahmen wirken?

Ein Teil der Wirkung, etwa mehr Trinken und langsames Aufstehen, spüren Sie schon innerhalb von Tagen. Der Aufbau einer stabilen Kreislaufregulation durch Bewegung und Wechselduschen braucht meist mehrere Wochen. Bleiben Beschwerden, lassen Sie die Ursache abklären.

Dieser Beitrag dient Ihrer Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.

— Dr. med. Kathrin Hamann

Quellen

Redaktionell geprüft am 19. Oktober 2026.