Sind Kreislaufprobleme bei einer Erkältung normal?

Dr. med. Kathrin Hamann · · 5 Min

Die kurze Antwort

Ja, Kreislaufprobleme kommen bei Erkältungen häufig vor und sind oft harmlos. Fieber, Schwitzen, wenig Trinken und Bettlägerigkeit bringen den Kreislauf zusätzlich durcheinander. Normal heißt aber nicht immer unbedenklich: Entscheidend sind, wie stark die Beschwerden sind, wie lange sie anhalten und ob weitere Warnzeichen dazukommen.

Warum belastet eine Erkältung den Kreislauf?

Mehrere Dinge kommen bei einem Infekt zusammen:

  • Flüssigkeitsverlust: Fieber, Schwitzen und schnellere Atmung verlieren Wasser und Salze – vor allem, wenn Sie gleichzeitig weniger trinken als sonst.
  • Weniger Essen: Mit wenig Appetit sinkt auch die Zufuhr von Flüssigkeit und Energie. Das macht Schwäche und Schwindel verstärkt.
  • Bettlägerigkeit: Nach längerem Liegen kann der Blutdruck beim schnellen Aufstehen kurz einbrechen. Typisch ist dann ein kurzes Schwarzwerden vor Augen beim Aufstehen.
  • Fieber selbst: Fieber erweitert die Blutgefäße und lässt das Herz schneller schlagen. Das kann Kreislaufbeschwerden begünstigen.
  • Medikamente: Fiebersenker und manche Erkältungsmittel können Müdigkeit oder Kreislaufbeeinflussung verursachen – besonders bei Kombipräparaten ist nicht sofort erkennbar, welche Wirkstoffe enthalten sind.

Nicht jede Erkältung verursacht Kreislaufprobleme, und nicht jedes Kreislaufproblem hat seine Ursache im Infekt. In unserem Beitrag Erkältung und Schwindel erläutern wir Ursachen, die nicht am Kreislauf liegen, und was ein Notfall ist.

Wie zeigen sich Kreislaufprobleme typisch?

  • Schwarzwerden vor Augen oder Flimmern, meist beim Aufstehen;
  • kalter Schweiß, blasse Haut, kalte Hände;
  • ein Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden;
  • Herzrasen oder ein spürbar schneller Puls im Stehen;
  • Übelkeit, Schweregefühl in den Beinen.

Ein Hinweis auf Kreislaufbeschwerden: Die Beschwerden treten vor allem beim Wechsel vom Liegen oder Sitzen ins Stehen auf und bessern sich nach kurzer Zeit wieder. Beschwerden, die unabhängig von der Körperhaltung auftreten oder sehr stark sind, gehören anders eingeordnet.

Was Sie selbst tun können

Wenn keine Warnzeichen vorliegen und die Beschwerden leicht sind:

  • Stehen Sie langsam auf: erst aufsetzen, kurz warten, dann mit sicherem Halt aufstehen. Setzen Sie sich hin, sobald Ihnen schwarz vor Augen wird – Stürze sind das größte Risiko.
  • Trinken Sie regelmäßig und ausreichend, in kleinen Portionen, auch bei wenig Appetit. Passend zu Fieber und Schwitzen kann das deutlich mehr sein als sonst. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen gelten persönliche Trinkmengen – trinken Sie dann nicht eigenständig große Mengen zusätzlich.
  • Essen Sie leichte Mahlzeiten, lieber mehrere kleine als eine große.
  • Gönnen Sie sich Ruhe und steigen Sie aus der Bettruhe Schritt für Schritt wieder auf.
  • Verzichten Sie auf Alkohol, solange Sie erkältet sind und der Kreislauf belastet ist.

Wenn Sie Ihre Trinkmenge besser überblicken möchten, nutzen Sie unsere kostenlose Trinkprotokoll-Vorlage als PDF. Im Beitrag Trinkprotokoll richtig ausfüllen finden Sie ein Beispiel und Hinweise.

Wann brauchen Sie ärztliche Hilfe?

Wählen Sie 112, wenn Kreislaufbeschwerden plötzlich zusammen mit einem dieser Zeichen auftreten:

  • Ohnmacht oder kurzer Bewusstseinsverlust;
  • Brustschmerz oder starke Atemnot;
  • Lähmung, Taubheitsgefühl, Sprach- oder Sehstörungen;
  • Verwirrtheit oder sehr schwaches, sehr schnelles oder unregelmäßiges Herzschlagen.

Lassen Sie die Beschwerden zeitnah abklären, wenn:

  • Kreislaufprobleme trotz ausreichend Flüssigkeit und Ruhe anhalten oder zunehmen;
  • Sie mehrfach fast ohnmächtig geworden sind oder Herzrasen in Ruhe spüren;
  • Sie kaum Urin ausscheiden oder stark schwitzen und erbrechen;
  • hohes Fieber mehrere Tage anhält oder Sie zunehmend schwächer werden;
  • die Beschwerden nicht nachlassen, nachdem der Infekt abgeklungen ist.

Bei dringlichen Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117; bei Notfallzeichen wählen Sie 112.

Für leichte, nicht akute Beschwerden können Sie eine Online-Beratung anfragen. Klares Schwarzwerden vor Augen, Ohnmachtsanfälle oder Herzrasen lassen sich online nicht sicher beurteilen und brauchen eine persönliche Untersuchung.

Häufige Fragen zu Kreislaufproblemen bei Erkältung

Sind Kreislaufprobleme bei einer Erkältung normal?

Sie sind häufig und haben meist eine erklärbare Ursache wie Flüssigkeitsmangel, Fieber oder Bettlägerigkeit. Auf Warnzeichen wie Ohnmacht, Brustschmerz oder Lähmungserscheinungen sollten Sie trotzdem achten – sie brauchen sofortige Hilfe.

Wie lange können die Beschwerden dauern?

Kreislaufbeschwerden bessern sich meist, wenn Sie sich erholen und wieder ausreichend trinken und essen. Halten sie auch nach der Erkältung an oder treten immer wieder auf, lassen Sie die Ursache untersuchen.

Sollte ich bei Fieber besonders viel trinken?

Bei Fieber, Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen steigt der Flüssigkeitsbedarf deutlich. Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt, bevorzugt Wasser oder Tee. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen besprechen Sie Ihre individuelle Trinkmenge mit der Ärztin oder dem Arzt.

Können Erkältungsmittel den Kreislauf belasten?

Ja. Manche Wirkstoffe machen müde oder beeinflussen den Kreislauf, Kombipräparate enthalten mehrere Mittel gleichzeitig. Lesen Sie die Packungsbeilage und setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab.

Dieser Beitrag dient Ihrer Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.

— Dr. med. Kathrin Hamann

Quellen

Redaktionell geprüft am 19. Oktober 2026.