Erkältung und Schwindel: mögliche Ursachen und wann Sie Hilfe brauchen

Dr. med. Kathrin Hamann · · 6 Min

Warum kann bei einer Erkältung Schwindel auftreten?

Die Nase läuft, der Hals kratzt, Sie fühlen sich müde – und beim Aufstehen wird Ihnen zusätzlich schwindelig. Während eines Infekts können verschiedene Dinge zusammenkommen: Sie trinken oder essen weniger, haben Fieber, schlafen schlecht oder nehmen Medikamente ein. Das kann Benommenheit oder Kreislaufbeschwerden begünstigen.

Eine Erkältung erklärt aber nicht automatisch jeden Schwindel. Besonders plötzlich einsetzender, starker oder anhaltender Schwindel muss ernst genommen werden. Auch unabhängig vom Infekt können Erkrankungen des Gleichgewichtssystems, des Herzens oder des Nervensystems dahinterstecken.

Zuerst wichtig: Wann ist Schwindel ein Notfall?

Wählen Sie 112, wenn Schwindel plötzlich zusammen mit einem oder mehreren dieser Zeichen auftritt:

  • Lähmung, Taubheitsgefühl oder ein herabhängender Mundwinkel;
  • neue Sprach- oder Sehstörungen, insbesondere Doppelbilder;
  • plötzlich ausgeprägte Gangunsicherheit oder die Unfähigkeit, ohne Hilfe zu stehen oder zu gehen;
  • ein ungewohnt heftiger, plötzlich beginnender Kopfschmerz;
  • Bewusstlosigkeit, starke Atemnot oder Brustschmerz.

Diese Beschwerden können beispielsweise auf einen Schlaganfall oder eine andere akute Erkrankung hinweisen. Ein Schlaganfall kann auch ohne die typischen Lähmungen auftreten. Fahren Sie bei solchen Beschwerden nicht selbst in die Klinik.

Was meinen Sie mit „Schwindel“?

Die genaue Beschreibung hilft bei der ärztlichen Einordnung:

EmpfindungWie kann sich das anfühlen?
BenommenheitWatte im Kopf, Unsicherheit oder das Gefühl, nicht ganz klar zu sein.
KreislaufbeschwerdenSchwarzwerden vor Augen oder das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden, etwa beim Aufstehen.
DrehschwindelSie oder die Umgebung scheinen sich zu drehen, oft mit Übelkeit.
SchwankschwindelDer Boden scheint zu schwanken oder Sie fühlen sich wie auf einem Schiff.

Die Empfindung allein reicht nicht für eine Diagnose. Wichtig sind auch Beginn, Dauer, Auslöser und Begleitbeschwerden.

Mögliche Ursachen während oder nach einem Infekt

Weniger Flüssigkeit und ein belasteter Kreislauf

Wenn Sie bei einem Infekt weniger trinken, gleichzeitig aber durch Fieber oder Schwitzen Flüssigkeit verlieren, kann der Kreislauf reagieren. Nach längerem Liegen kann beim schnellen Aufstehen der Blutdruck vorübergehend absinken. Typisch sind dann ein kurzes Schwarzwerden vor Augen oder ein Gefühl drohender Ohnmacht.

Weniger Urin als üblich, trockener Mund und Durst können dazu passen, beweisen einen Flüssigkeitsmangel jedoch nicht. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen gelten gegebenenfalls besondere Trinkempfehlungen – trinken Sie dann nicht eigenständig große Mengen zusätzlich.

Erschöpfung und wenig Nahrung

Schlechter Schlaf, Fieber und geringe Nahrungsaufnahme können Schwäche und Benommenheit verstärken. Wer Diabetes hat und blutzuckersenkende Medikamente verwendet, sollte bei wenig Essen besonders auf die vereinbarten Regeln für Krankheitstage achten. Schwindel kann auch bei einer Unterzuckerung auftreten; handeln Sie dann nach Ihrem persönlichen Behandlungsplan und holen Sie bei Unsicherheit Hilfe.

Medikamente und Wechselwirkungen

Einige Erkältungs- oder Allergiemittel können müde machen oder den Kreislauf beeinflussen. Besonders bei Kombinationspräparaten ist nicht immer sofort erkennbar, welche Wirkstoffe enthalten sind. Auch bereits regelmäßig eingenommene Medikamente können eine Rolle spielen.

Lesen Sie die Hinweise zu Nebenwirkungen und Fahrtüchtigkeit. Lassen Sie Ihre Mittel in der Apotheke oder Arztpraxis gemeinsam prüfen. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab und vermeiden Sie die doppelte Einnahme desselben Wirkstoffs aus unterschiedlichen Präparaten.

Beschwerden am Ohr und Gleichgewichtsstörungen

Bei einer Erkältung kann die Belüftung des Mittelohrs gestört sein. Druckgefühl oder gedämpftes Hören sind möglich. Starker Drehschwindel sollte jedoch nicht einfach einer verstopften Nase zugeschrieben werden.

Eine mögliche Ursache anhaltenden Drehschwindels ist eine Neuritis vestibularis, eine Funktionsstörung beziehungsweise Entzündung des Gleichgewichtsnervs. Sie kann im Zusammenhang mit einem Infekt auftreten; die genaue Ursache ist nicht immer sicher geklärt. Typisch sind heftiger, länger anhaltender Drehschwindel, Übelkeit und Gleichgewichtsprobleme. Das Gehör ist dabei üblicherweise nicht beeinträchtigt.

Neue Hörminderung, Ohrenschmerzen oder Ohrgeräusche zusammen mit Schwindel müssen deshalb ebenfalls untersucht werden. Plötzlicher Hörverlust braucht eine dringliche ärztliche Abklärung.

Was Sie bei leichten Beschwerden selbst tun können

Wenn keine Warnzeichen vorliegen und die Beschwerden leicht sind:

  • Setzen oder legen Sie sich hin, sobald Ihnen schwindelig wird. Vermeiden Sie Stürze.
  • Stehen Sie langsam auf: erst aufsetzen, kurz warten, dann mit sicherem Halt aufstehen.
  • Trinken Sie regelmäßig, passend zu Ihrer individuellen Empfehlung. Kleine Portionen können bei Übelkeit angenehmer sein.
  • Essen Sie nach Verträglichkeit und achten Sie auf ausreichend Ruhe und Schlaf.
  • Verzichten Sie auf Alkohol. Fahren Sie nicht Auto oder Fahrrad und bedienen Sie keine Maschinen, solange Ihnen schwindelig ist.
  • Notieren Sie den Verlauf: Wann beginnt der Schwindel? Wie lange dauert er? Tritt er beim Aufstehen oder auch in Ruhe auf? Welche Medikamente haben Sie genommen?

Wenn Sie Ihre Getränkemenge besser überblicken möchten, nutzen Sie unsere kostenlose Trinkprotokoll-Vorlage als PDF. Im Beitrag Trinkprotokoll richtig ausfüllen finden Sie ein Beispiel und Hinweise zur Trinkmenge.

Bitte führen Sie keine Schwindeltests oder Lagerungsübungen auf eigene Faust durch, solange die Ursache eines neuen Schwindels unklar ist.

Wann sollten Sie noch heute ärztlichen Rat suchen?

Lassen Sie neu aufgetretenen starken oder anhaltenden Schwindel noch am selben Tag abklären – auch wenn Sie gleichzeitig erkältet sind und keine eindeutigen Notfallzeichen bemerken. Das gilt besonders bei:

  • wiederholtem Erbrechen oder wenn Sie kaum Flüssigkeit bei sich behalten;
  • neuen Hörproblemen oder ausgeprägten Ohrenschmerzen;
  • Herzrasen, wiederholtem Beinahe-Ohnmächtigwerden oder deutlichen Kreislaufproblemen;
  • hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl;
  • deutlich weniger Urin oder zunehmender Schwäche.

Bei dringlichen Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117; bei Notfallzeichen wählen Sie 112. Leichtere Beschwerden sollten Sie ebenfalls besprechen, wenn sie nicht nachlassen, wiederkehren oder nach Abklingen des Infekts bestehen bleiben.

Wie wird die Ursache untersucht?

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach dem Verlauf, Ihren Medikamenten und Vorerkrankungen. Je nach Beschwerden werden Kreislauf, Ohren, Augenbewegungen, Gang und Nervensystem untersucht. Manchmal sind zusätzliche Untersuchungen wie ein EKG, Blutwerte, ein Hörtest oder eine Untersuchung in der Klinik nötig.

Nicht jede Untersuchung ist bei jeder Person erforderlich. Entscheidend ist, gefährliche Ursachen zuverlässig von weniger bedrohlichen Beschwerden zu unterscheiden. Eine Erkältung ist dabei nur ein Teil der Vorgeschichte.

Für leichte, nicht akute Beschwerden können Sie eine Online-Beratung anfragen. Neu aufgetretener starker Schwindel lässt sich online nicht sicher ausschließen oder abschließend beurteilen und braucht eine persönliche Untersuchung.

Häufige Fragen zu Erkältung und Schwindel

Ist Schwindel bei einer Erkältung normal?

Benommenheit oder Kreislaufbeschwerden können einen Infekt begleiten. Sie sind aber keine automatische Entwarnung. Entscheidend sind Stärke, Dauer und Begleitzeichen. Plötzlicher heftiger oder anhaltender Schwindel gehört ärztlich abgeklärt.

Wie lange kann der Schwindel dauern?

Das hängt von der Ursache ab. Kreislaufbeschwerden können sich mit Erholung bessern; eine Erkrankung des Gleichgewichtssystems kann deutlich länger anhalten. Warten Sie bei neuen starken Beschwerden nicht mehrere Tage ab, um zu sehen, ob sie verschwinden.

Brauche ich ein Antibiotikum?

Eine gewöhnliche Erkältung wird meist durch Viren verursacht. Antibiotika helfen dagegen nicht. Auch Schwindel allein ist kein Grund für ein Antibiotikum. Ob eine bakterielle Erkrankung vorliegt und eine Behandlung erforderlich ist, wird ärztlich entschieden.

Was gilt bei Schwindel und Ohrdruck?

Ohrdruck kann bei einem Infekt auftreten. Wenn deutlicher Drehschwindel, neue Hörminderung, starke Schmerzen oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl hinzukommen, sollten Sie sich zeitnah persönlich untersuchen lassen.

Kann ich trotz Schwindel Sport treiben?

Bei Schwindel, Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl sollten Sie keinen Sport treiben. Warten Sie, bis Sie sich erholt haben und wieder sicher bewegen können. Bei anhaltenden Beschwerden besprechen Sie den Wiedereinstieg mit Ihrer Arztpraxis.

Dieser Beitrag dient Ihrer Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.

Quellen

Redaktionell geprüft am 19. Oktober 2026.