Scheidenpilz oder etwas anderes? Juckreiz richtig einordnen

Dr. med. Sigrid Jahn · · 2 Min

Typisch heißt nicht sicher

Eine Pilzinfektion der Scheide kann starken Juckreiz, Brennen, Rötung und veränderten Ausfluss verursachen. Häufig sind Hefepilze der Gattung Candida beteiligt. Diese können auch ohne Beschwerden vorkommen; ihr Nachweis allein bedeutet deshalb nicht immer, dass sie behandelt werden müssen.

Juckreiz beweist keinen Scheidenpilz. Reizungen durch Produkte, Hauterkrankungen, eine bakterielle Scheideninfektion oder andere Infektionen können ähnlich aussehen. Geruch und Farbe des Ausflusses sind keine zuverlässigen Selbsttests.

Wann Selbstbehandlung Grenzen hat

Wenn Sie schon einmal eine ärztlich bestätigte Pilzinfektion hatten und die Beschwerden eindeutig wiedererkennen, kann eine Beratung in der Apotheke helfen. Lassen Sie sich dennoch untersuchen, wenn Beschwerden zum ersten Mal auftreten, häufig wiederkehren, ungewöhnlich sind oder trotz Behandlung bleiben.

In der Schwangerschaft sollten Sie die Behandlung ärztlich abstimmen. Das gilt auch bei geschwächter Abwehr oder schlecht eingestelltem Diabetes. Medikamente zum Schlucken sind nicht für jede Situation geeignet.

Was Behandlung und Pflege leisten

Antipilzmittel gibt es unter anderem als örtliche Präparate. Verwenden Sie sie nach der jeweiligen Anleitung und brechen Sie die Anwendung nicht einfach wegen früher Besserung ab. Manche Produkte können die Zuverlässigkeit von Latexkondomen beeinträchtigen; beachten Sie den Beipackzettel.

  • Reinigen Sie nur den äußeren Bereich schonend.
  • Verzichten Sie auf Scheidenspülungen und Hausmittel wie Joghurt oder Knoblauch.
  • Vermeiden Sie Produkte, die zusätzlich brennen.

Eine Partnerbehandlung ist nicht automatisch nötig. Beschwerden der Partnerperson sollten aber eigenständig beurteilt werden.

Wann es keine Routinefrage mehr ist

Fieber, Unterbauchschmerzen, Blutungen oder ausgeprägte Schmerzen passen nicht einfach zu einem unkomplizierten Scheidenpilz und benötigen zeitnahe Abklärung. Online können wir Fragen zur bisherigen Behandlung besprechen; zur Diagnosesicherung können Untersuchung und Abstrich erforderlich sein.

Dieser Beitrag dient Ihrer Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.

— Dr. med. Sigrid Jahn

Quellen