Intimpflege ohne Reizung: Weniger ist oft mehr
Dr. med. Sigrid Jahn · · 2 Min
Außen pflegen, innen in Ruhe lassen
Die Vulva ist der äußere Intimbereich; die Vagina, auch Scheide genannt, liegt innen. Diese Unterscheidung ist für die Pflege wichtig. Die Scheide hat ein eigenes Milieu mit schützenden Bakterien. Sie muss weder ausgespült noch mit Duftstoffen „frisch“ gehalten werden.
Ein natürlicher Geruch und etwas Ausfluss sind nicht grundsätzlich krankhaft. Wer aus Sorge davor immer intensiver reinigt, kann empfindliche Haut reizen und das Scheidenmilieu beeinträchtigen. Eine bakterielle Scheideninfektion ist dabei kein Zeichen mangelnder Sauberkeit.
Schonende Gewohnheiten im Alltag
Reinigen Sie den äußeren Bereich sanft mit lauwarmem Wasser. Falls Sie ein Waschprodukt verwenden, wählen Sie ein mildes, unparfümiertes und gut verträgliches Produkt. Starkes Reiben, Intimdeos, parfümierte Feuchttücher und Scheidenspülungen sind meist unnötig.
- Wechseln Sie nasse Bade- oder Sportkleidung zeitnah.
- Tupfen Sie die Haut trocken, statt zu scheuern.
- Lassen Sie Produkte weg, nach denen Brennen oder Juckreiz auftreten.
- Bei trockener, gereizter Haut kann eine fachlich empfohlene, reizfreie Pflege helfen.
Auch Slipeinlagen oder Waschmittel können individuell reizen. Es gibt aber keine Unterwäsche, die alle Infektionen sicher verhindert.
Beschwerden nicht einfach wegwaschen
Neuer unangenehmer Geruch, anhaltender Juckreiz, Schmerzen oder veränderter Ausfluss können verschiedene Ursachen haben: Hautreizung, Pilzinfektion, bakterielle Veränderungen oder eine sexuell übertragbare Infektion. Mehr Reinigung ersetzt keine Diagnose. Wiederholte Selbstbehandlung mit Pilzmitteln kann ebenfalls am eigentlichen Problem vorbeigehen.
Bei Fieber, Unterbauchschmerzen, Blutungen oder Beschwerden in der Schwangerschaft sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat einholen. Brennen beim Wasserlassen kann auch von den Harnwegen ausgehen.
Was Sie zum Termin mitbringen können
Notieren Sie neue Pflegeprodukte, Medikamente, Zeitpunkt und Verlauf der Beschwerden. Online können wir erste Fragen klären; für die Ursache können eine Untersuchung und ein Abstrich notwendig sein.
Dieser Beitrag dient Ihrer Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.
— Dr. med. Sigrid Jahn
Quellen
- Patienteninformation zum Thema – IQWiG / Gesundheitsinformation.de. Redaktionell geprüft am 19.10.2026.