Hämorrhoidalleiden: Beschwerden erkennen und richtig behandeln
Dr. med. Kathrin Hamann · · 6 Min
Hämorrhoiden haben wir alle – Beschwerden nicht
Über Beschwerden am After spricht kaum jemand gern. Dabei sind Juckreiz, Brennen oder Blut am Toilettenpapier gute Gründe, sich ärztlich beraten zu lassen – ohne Scham und ohne vorschnelle Selbstdiagnose.
Hämorrhoiden sind zunächst ganz normale Gefäßpolster am Übergang vom Enddarm zum Analkanal. Gemeinsam mit den Schließmuskeln helfen sie, den Darm dicht zu halten. Erst wenn diese Polster vergrößert sind oder sich in Richtung Darmausgang verlagern und dadurch Beschwerden verursachen, sprechen wir von einem Hämorrhoidalleiden.
Entscheidend ist also nicht allein, dass Hämorrhoiden vorhanden sind, sondern ob sie Ihnen Probleme bereiten.
Welche Beschwerden sind typisch?
Ein Hämorrhoidalleiden kann sich unterschiedlich bemerkbar machen:
- Blutungen: häufig hellrotes Blut am Toilettenpapier, auf dem Stuhl oder in der Toilette.
- Juckreiz und Brennen im Bereich des Afters.
- Nässen: Schleim oder Flüssigkeit tritt aus und reizt die Haut.
- Stuhlschmieren: kleine Stuhlspuren in der Unterwäsche, obwohl Sie sich gereinigt haben.
- Vorfall, medizinisch Prolaps genannt: Gewebe tritt beim Stuhlgang oder auch unabhängig davon aus dem After hervor.
Diese Beschwerden sind nicht beweisend für Hämorrhoiden. Auch kleine Einrisse am After, Hautreizungen, Entzündungen oder Erkrankungen des Darms können dahinterstecken. Starke Schmerzen sind für ein unkompliziertes Hämorrhoidalleiden eher untypisch und sollten besonders sorgfältig abgeklärt werden.
Blut im Stuhl sollten Sie nicht einfach auf Hämorrhoiden schieben. Lassen Sie neue, wiederkehrende oder anhaltende Blutungen ärztlich untersuchen – auch wenn bereits Hämorrhoiden bekannt sind.
Bei einer starken oder anhaltenden Blutung, Kreislaufproblemen oder Ohnmacht ist sofortige Hilfe notwendig; bei einem akuten Notfall wählen Sie 112. Schwarzer, teerartiger Stuhl oder starke Schmerzen mit Fieber müssen ebenfalls dringend abgeklärt werden.
Die vier Schweregrade nach Goligher
Die häufig verwendete Einteilung nach Goligher beschreibt vor allem, ob Hämorrhoidalpolster nach außen vorfallen und ob sie sich wieder zurückziehen. Sie ist keine reine Größenmessung und sagt nicht automatisch aus, wie stark Ihre Beschwerden sind.
| Grad | Was bedeutet das für Sie? |
|---|---|
| I | Die Polster sind vergrößert, treten aber nicht aus dem After hervor. Blutungen können trotzdem auftreten. |
| II | Beim Pressen oder Stuhlgang treten die Polster hervor und ziehen sich anschließend von selbst zurück. |
| III | Die Polster treten hervor und ziehen sich nicht mehr von selbst zurück. Sie lassen sich noch vorsichtig mit der Hand zurückschieben. |
| IV | Die Polster bleiben außen und lassen sich nicht mehr zurückschieben. |
Welcher Grad vorliegt, wird bei der Untersuchung festgestellt. Bitte versuchen Sie nicht, schmerzhaftes oder eingeklemmtes Gewebe mit Gewalt zurückzuschieben.
Was passiert bei der Untersuchung?
Zunächst besprechen wir Ihre Beschwerden: Seit wann bestehen sie? Wann tritt Blut auf? Gibt es Verstopfung, Durchfall oder einen Gewebevorfall? Wichtig sind auch Medikamente, insbesondere Blutverdünner, sowie Veränderungen Ihrer Stuhlgewohnheiten.
Die Untersuchung umfasst meist das Anschauen der Analregion, eine vorsichtige Tastuntersuchung und gegebenenfalls eine Proktoskopie – dabei wird der Analkanal mit einem kurzen Untersuchungsinstrument betrachtet. Je nach Blutung, Alter, Begleitbeschwerden und persönlichem Risiko kann zusätzlich eine Untersuchung des übrigen Darms erforderlich sein.
Die Basis jeder Behandlung: den Stuhlgang erleichtern
Eine konservative Behandlung, also Maßnahmen ohne Operation, gehört zunächst in jedem Stadium dazu. Ziel ist ein weicher, geformter Stuhl, der sich ohne kräftiges Pressen entleeren lässt.
- Ballaststoffreich essen: beispielsweise Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte. Steigern Sie die Menge langsam, damit Blähungen möglichst gering bleiben.
- Ausreichend trinken: passend zu Ihrem Bedarf. Wenn Sie wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung eine Trinkmengenbegrenzung haben, halten Sie sich an die ärztliche Empfehlung.
- Stuhl regulieren: Flohsamenschalen oder geeignete stuhlregulierende Mittel können helfen. Lassen Sie sich zur Anwendung beraten; zu Quellstoffen gehört ausreichend Flüssigkeit.
- Nicht stark pressen und nicht lange auf der Toilette sitzen. Gehen Sie bei Stuhldrang, statt ihn regelmäßig zu unterdrücken.
- In Bewegung bleiben und Verstopfung wie auch anhaltenden Durchfall behandeln lassen.
- Schonend reinigen: lauwarmes Wasser und vorsichtiges Trockentupfen sind oft besser verträglich als starkes Reiben oder parfümierte Feuchttücher.
Salben können Juckreiz oder Brennen vorübergehend lindern. Sie beseitigen jedoch weder einen ausgeprägten Vorfall noch die Ursache vergrößerter Polster. Kortisonhaltige Mittel sollten Sie nur nach fachlicher Beratung und zeitlich begrenzt verwenden.
Welche Behandlung passt zu welchem Grad?
Die Therapie richtet sich nach dem Stadium, Ihren Beschwerden, Begleiterkrankungen und Ihren Wünschen. Nicht jede Person benötigt sofort einen Eingriff.
Grad I: Basismaßnahmen und gegebenenfalls Verödung
Zunächst stehen Stuhlregulation und ein günstigeres Toilettenverhalten im Vordergrund. Bei anhaltenden Beschwerden kann eine Sklerosierung, auch Verödung genannt, sinnvoll sein. Dabei wird ein Mittel gezielt eingespritzt, das das Gewebe verkleinern beziehungsweise stabilisieren soll. Mehrere Behandlungen können erforderlich sein.
Grad II: häufig Gummibandligatur
Bei fortbestehenden Beschwerden kommt häufig die Gummibandligatur zum Einsatz. Ein kleines Gummiband wird um einen Teil des Hämorrhoidalgewebes gelegt; dieser Teil wird nicht mehr durchblutet und fällt später ab. Das Verfahren erfolgt meist ambulant.
Es ist dennoch ein medizinischer Eingriff: Blutungen oder Schmerzen sind möglich. Wenn Sie Blutverdünner einnehmen, müssen diese vorab besprochen werden – setzen Sie sie niemals selbstständig ab. Bei starker Blutung, heftigen Schmerzen oder Fieber nach einer Behandlung suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe.
Grad III und IV: eine Operation kann notwendig sein
Bei ausgeprägtem Vorfall reichen Basismaßnahmen oft nicht aus. Wenn konservative oder ambulante Verfahren nicht genügend helfen, wird eine Operation erwogen. Bei manchen Befunden kann sie auch von Anfang an die sinnvollste Behandlung sein. In ausgewählten Fällen von Grad III sind noch ambulante Verfahren möglich; Grad IV benötigt häufig eine operative Versorgung.
Das Operationsverfahren muss zu Ihnen passen. Ausmaß des Vorfalls, Blutungen, Beschwerden, Schließmuskelfunktion, Begleiterkrankungen und Ihre Erwartungen werden gemeinsam berücksichtigt. Es gibt unterschiedliche Verfahren; keine Methode ist für alle Menschen und alle Stadien gleichermaßen geeignet. Lassen Sie sich über Nutzen, mögliche Schmerzen, Blutungsrisiken, Heilungsverlauf und ein mögliches Wiederauftreten aufklären.
Was lässt sich online klären – und was nicht?
In einer Online-Beratung können wir Ihre Beschwerden zunächst einordnen, Ihre Medikamente besprechen und Sie zu Stuhlregulation und weiteren Schritten beraten. Eine sichere Diagnose und die Einstufung des Hämorrhoidalleidens erfordern jedoch eine Untersuchung vor Ort. Bei Blutungen oder einem Vorfall planen wir deshalb gegebenenfalls eine proktologische Abklärung, also eine Untersuchung des Enddarms und Afters.
Mein Fazit für Sie
Hämorrhoidalleiden ist behandelbar – und kein Grund, Beschwerden lange auszuhalten. Schonende Stuhlregulation ist in jedem Stadium wichtig. Ob zusätzlich eine Verödung, Gummibandligatur oder Operation sinnvoll ist, entscheidet sich anhand des Befunds und Ihrer persönlichen Situation. Lassen Sie insbesondere Blutungen abklären, statt sie selbst als harmlos einzustufen.
Dieser Beitrag dient Ihrer Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.
— Dr. med. Kathrin Hamann, Fachärztin für Innere und Allgemeinmedizin
Quellen
- IQWiG / Gesundheitsinformation.de: Vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden) – verständliche Informationen zu Beschwerden, Untersuchung und Behandlung.
- AWMF: S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden, Registernummer 081-007 – Fassung von 2019; die angegebene Gültigkeit endete am 31.03.2024. Sie wird hier als fachlicher Hintergrund verwendet, nicht als aktuell gültige Leitlinie.