Wie lange schreibt ein Arzt bei Grippe krank? Ein Überblick
Dr. med. Kathrin Hamann · · 6 Min
Die kurze Antwort vorweg
Es gibt keine feste Dauer, die jede Grippe automatisch mit sich bringt. Eine Krankschreibung entscheidet sich im Einzelfall nach Ihrem Verlauf, Ihren Beschwerden und Ihrem Beruf. Bei einer unkomplizierten echten Grippe sind es typischerweise fünf bis sieben Tage, mit Komplikationen oder bei Belastung im Beruf auch deutlich länger. Maßstab ist weniger das Datum als die Frage: Können Sie Ihre Arbeit ohne Gefahr für Ihre Gesundheit und ohne Ihre Kolleginnen und Kollegen anzustecken wieder ausüben?
Wovon die Dauer abhängt
| Einflussfaktor | Warum er zählt |
|---|---|
| Fieber und Krankheitsgefühl | Solange Sie fieberhaft und stark geschwächt sind, sind Sie arbeitsunfähig – meist die ersten drei bis fünf Tage |
| Beruf und Belastung | Körperlich anstrengende Arbeit (Pflege, Bau, Verkauf) erfordert längere Schonung als Arbeit am Schreibtisch |
| Risikogruppe | Bei Schwangeren, Menschen ab 60 oder mit chronischen Erkrankungen wird eher vorsichtiger verlängert |
| Komplikationen | Eine bakterielle Zusatzinfektion wie eine Lungenentzündung verlängert die Krankschreibung erheblich |
| Ansteckungsgefahr | In Gemeinschaftseinrichtungen, Praxen oder Küchen spielt der Schutz von Kollegen und Kundinnen eine größere Rolle |
Der typische Verlauf einer Grippe: Die akute Phase mit Fieber, Gliederschmerzen und Erschöpfung dauert etwa drei bis fünf Tage; danach folgt eine Erholungsphase, in der die Erschöpfung oft noch länger bleibt. Der Beitrag Soll man mit einer Grippe zum Arzt gehen? erklärt, in welchen Fällen eine ärztliche Abklärung nötig ist.
Telefonische Krankschreibung: bei Grippe oft möglich
Für leichte Atemwegs- und Erkältungskrankheiten erlaubt die ärztliche Berufsordnung eine telefonische Krankschreibung für bis zu fünf Tage – Voraussetzung ist eine bekannte Patientin oder ein bekannter Patient in der Praxis, und die Praxis muss es nicht anbieten. Ob sie bei einer fieberhaften Grippe ausreicht, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Angaben und ggf. Untersuchung.
Bei uns geht die Anfrage auch online: Stellen Sie eine Krankschreibungs-Anfrage mit Zeitraum und Beschwerden. Beachten Sie, dass der Beginn maximal drei Arbeitstage zurückliegen und die Krankschreibung maximal sieben Kalendertage umfassen darf – darüber hinaus gehören eine Verlängerung und ggf. ein Termin dazu.
Verlängerung: wie oft und wie lange?
Es gibt kein festes Limit an Verlängerungen – die Krankschreibung wird jedes Mal neu beurteilt. Sinnvoll ist eine Verlängerung, wenn Fieber zurückkehrt, die Erschöpfung anhaltend schwer ist oder der Beruf die Belastung noch nicht zulässt. Bei längerem Verlauf gehört eine erneute Untersuchung dazu, um Komplikationen zu erkennen.
Was passiert nach sechs Wochen: Krankengeld
Wichtig für lange Verläufe: Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt bei Arbeitsunfähigkeit bis zu sechs Wochen weiter. Danach kommt von der gesetzlichen Krankenkasse Krankengeld – es beträgt etwa 70 Prozent des Brutto- und 90 Prozent des Nettoentgelts. Für dieselbe Erkrankung ist es längstens 72 Wochen möglich. Diese Regeln sind allgemein und hängen von Ihrem konkreten Vertrag und Ihrer Kasse ab; Einzelheiten erklärt die Seite Krankengeld von gesund.bund.de.
Häufige Fragen
Muss ich am ersten Krankheitstag zur Praxis?
Nicht zwingend. Bei einer typischen Grippe mit hohem Fieber ist ein Praxisbesuch ohnehin unangenehm und für andere ansteckend. Nutzen Sie die telefonische oder Online-Anfrage – entscheiden kann die Praxis dann, ob eine Untersuchung nötig ist.
Geht eine Krankschreibung auch rückwirkend?
Der Beginn darf zurückliegen, aber nicht beliebig weit: Bei uns sind es maximal drei Arbeitstage vor der Anfrage. Liegt Ihr Krankheitsbeginn weiter zurück, klären Sie das telefonisch oder mit einem Termin.
Was, wenn das Fieber wiederkommt?
Dann gehört eine erneute Beurteilung dazu – nicht einfach eine Verlängerung. Fieber nach einer Besserung kann auf eine bakterielle Zusatzinfektion hinweisen; Warnzeichen dazu stehen im Beitrag Soll man mit einer Grippe zum Arzt gehen?.
Was passiert mit meinem Urlaub, wenn ich während des Urlaubs krank bin?
Krankgeschriebene Urlaubstage gehen nicht verloren: Der Urlaub verlängert sich um die Tage der Arbeitsunfähigkeit, wenn Sie sie ärztlich nachweisen. Melden Sie die Krankheit daher umgehend dem Arbeitgeber.
Wie lange ist man als Selbstständige oder Selbstständiger krankgeschrieben?
Die Dauer hängt genauso vom Verlauf ab wie bei Beschäftigten. Ohne Entgeltfortzahlung beginnt allerdings die wirtschaftliche Belastung schneller – lohnenswert ist daher eine Abklärung, ob andauernde Beschwerden eine längere Schonung nötig machen, damit die Erkrankung nicht chronifiziert.
Dieser Beitrag dient Ihrer Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.
Quellen
- gesund.bund.de: Krankengeld
- IQWiG / Gesundheitsinformation.de: Grippe (Influenza)
- gesund.bund.de: Grippe (Influenza)
- Österreichisches Gesundheitsportal: Grippe (Influenza)
Redaktionell geprüft am 19. Oktober 2026.